• Kultur von Mycoplasma hominis
    auf A7-Medium
    © LG1
  • Mycoplasma hominis und Ureaplasma urealyticum (schwarze Kolonien)
    © LG1

Kurzinformation:Mycoplasma & Ureaplasma

Arten Pathogene Arten: M. genitalium, M. hominis, Ureaplasma urealyticum (Biovar 1 & 2), M. fermentans.
Besiedler:
M. primatum, M. penetrans, M. spermatophilum.


Bekannte Infektionen M. genitalium Erreger von Urethritis
M. hominis wird als Erreger von Cervicitis, Kolpitis (Vaginitis), Prostatitis, Neugeborenen-Konjunktivitis, PID (Pelvic inflammatory diseases) = Infektion des oberen Genitaltraktes ("Salpingitis") Peripartum-Sepsis (=Wochenbettfieber), Pyelonephritis und Arthritis, speziell bei immunsupprimierten Patienten, diskutiert.

U. urealyticum (= ex Biovar 2)* Urethritis, Urethroprostatitis, Epididymitis, Wochenbettfieber. Infertilität, Chorioamnionitis.
U. parvum ( = ex Biovar 1)* ev. Kommensale des Urogenitaltraktes *Zur Zeit ist es im Routinelabor noch nicht möglich zwischen U. urealyticum und U. parvum zu unterscheiden. Erste Arbeiten zeigen das U. parvum vielleicht nur ein Besiedler des Genital- traktes ist. (Deguchi et al.; Sex. Trans. Dis. 2004).
M. fermentans (früher M. incognitus) selten; fulminante Multiorgan-Erkrankung bei AIDS, aber auch bei gesunden Individuuen.

Empfindlichkeiten u. Therapie Grundsätzlich ist eine Behandlung nur nach Sicherung der Diagnose vertretbar: Der alleinige Nachweis von Mycoplasmen & Ureaplasmen erlaubt keine Aussage über die pathogene Bedeutung des Keimes im Einzelfall. Erst bei klinischen Beschwerden und nach Ausschluss weiterer möglicher Krankheitserreger ist eine Therapie einzuleiten.
Eine symptomlose Besiedlung des unteren Genitaltraktes bedarf keiner Therapie. Tiefe Keimzahlen (<104/ml= vereinzelt/mässig nachweisbar) sind eher mit Kolonisation assoziert, Keimzahl >104/ml (= mässig/reichlich nachweisbar) und klinischen Beschwerden sind als mögliche Infekte zu behandeln. Im Zweifelsfall sollte eine Infektion mit Mycoplasmen allerdings immer behandelt werden. Bei einer behandlungsbedürftigen genitalen Mykoplasmeninfektion ist auch der symptomlose Partner zu untersuchen und ggf. zu therapieren, um Reinfekte zu vermeiden. Dies gilt besonders für rezidivierende Mykoplasmen u. Ureaplasmen - Infektionen.
Mittel der ersten Wahl für Mycoplasmen und Ureaplasmen Infekte sind die Tetracycline (Doxycyklin = z.B.Vibramycin). Bei Ureaplasmen ist dabei allerdings mit 10%-15% resistenten Stämmen zu rechnen. Erythromycin ist wirksam gegen U. urealyticum, nicht aber gegen M. hominis. Clindamycin wirkt gegen M. hominis, aber nur eingeschränkt gegen U. urealyticum.
In therapieresistenten Fällen sollte die Empfindlichkeiten der isolierten Stämmen gegen Tetracycline und andere Antibiotika geprüft werden. Bei unkomplizierten Infektionen wird eine Therapiedauer von ein bis zwei Wochen als ausreichend angesehen. Bei chronischen Infektionen und Komplikationen sollten 10 Tage Behandlungsdauer nicht unterschritten werden.

Systematik Zur Zeit werden die verschiedenen Mycoplasmen-Arten mittels molekularen Techniken besser untersucht. Mittels PCR konnten die verschiedenen Biovare von Ureaplasmen in U. parvum und U. urealyticum unterschieden werden (2001, A. Robertson, G. W. Stemke et al.).

Spez. und Therapieversagen: Wegen der relativ langen Generationszeit der Mycoplasmen (und der möglichen intrazellulären Lagerung), erfordert eine wirksame Therapie gleichmäßig hohe und lang anhaltende Serumspiegel. Bei Therapieversagen sollte auch bedacht werden:
- Bereitschaft des Patienten therapeutische Massnahmen zu befolgen (Compliance)
- unterschiedliche Resorption bei oraler Gabe (Tetracycline)
- Reinfekt durch Partner(in); Schutz od. Enthaltsamkeit
- nicht ausreichend lange Dosierung

Literatur Journal of Clinical Microbiology; 1998; 36:277-280: Detection and Confirmation of Mycoplasma pneumoniae in Urogenital Specimens by PCR. S. Sharma, R. Brousseau and S. Kasatiya
Journal of Infectious Diseases 2001; 183: 269-76: Association of Mycoplasma genitalium with Nongonococcal Urethritis in Heterosexual Men. P. Totten, M. Schwartz, K. Sjöström, G. Kenny, H. Handsfield, J. Weiss, W. Whittington.
Comparison of a mollicute-specific PCR, a ureaplasma-specific PCR, and a RAPD protocol for detection of ureaplasma urealyticum in men with chronic prostatitis. by J. Dimitrakov, J. Tchitalov, T. Zlatanov, D. Dikov, J.S. Jensen, W. Weidner
Proposal of Ureaplasma parvum sp. nov. and emended description of Ureaplasma urealyticum (Shepard et al. 1974) Robertson et al. 2001 by J. A. Robertson, G. W. Stemke, J. W. Davis Jr, R. Harasawa, D. Thirkell, F. Kong, M. C. Shepard and D. K. Ford
Department of Medical Microbiology and Immunology, University of Alberta, Edmonton, Alberta, Canada;Department of Biological Sciences, University of Alberta, Edmonton, Alberta, Canada
Mycoplasma genitalium - an up-date; Int J STD AIDS 2002; Mar;13(3):145-51: Taylor-Robinson D.
The prevalence of Mycoplasma fermentans in patients with inflammatory arthritides. Rheumatology (Oxford) 2001 Dec;40(12):1355-8; Gilroy CB, Keat A, Taylor-Robinson D.
Sanford 2002/2003, Simon & Stille 2000, Petersen 1997, Taylor-Robinson 1997: Antibiotic susceptibilities of mycoplasmas and treatment of mycoplasmal infections; in J. Antimicrob. Chemotherapy. Mandell, Douglas, and Bennett; Principles a. Practice of Infectious Diseases, 2000.